Dezember 2010 - Billboard
Eingeständnis.
Zehntausendfach bewegt sie uns. Jeden Tag und laut und schrill und aggressiv, bunt, kreativ, witzig, hoffentlich scharf um die Ecke gedacht, viel zu oft viel zu langweilig
illustriert und, es ist anzuerkennen, zuweilen ganz schön bissig. Trotzdem dürfen wir nicht ohne. Keinen Tag, kaum in der Nacht. Egal wo auf der Welt. Sie lässt uns keine Wahl, wir können uns ihr nicht entziehen. Sie bestimmt allzu oft, was wir denken, tragen, sind, erzählen, erzählt bekommen. Sie macht Meinungen, hat aber nur eine einzige – ihre. Alle, jede und jeder hasst sie inbrünstig. Je länger je mehr und manchmal weniger, aber immer wieder neu und gelegentlich mit lustvoller Hingabe. Wir werden von ihr schamlos dauerhaft politisch korrekt petrecycled zugemüllt, buchstäblich bombardiert, absolut belanglos bedudelt, selten gescheit unterhalten oder besungen, zugehansapflastert, entzückt, im Geist verstellt und so nach und nach mürbe gemacht. Sie hält unseren Motor am Laufen und schaut zu, dass der Rubel dies- und jenseits der Grenzen rasch rollt und die kranken Kassen klingeln. Wir sollen chinesischer essen, südostkroatisch trinken, noch wohliger kaum einschlafen, langsam zu schnell Freude am Fahren haben, knackig sommerapfelblütennektarfrisch riechen, manches Mal auf vermeintlich exorbitant günstige Zinsen hereinfallen, makrobiotisch gesünder sterben, easy in die wenigen verbleibenden Ferien jetten und zu oft dann eben doch in gar allzu Unnützes investieren. Der bedeutsamen Informationen sind so empörend viele, dass sie uns Unmündigen ein Weg durch den blank gescheuerten Dschungel bahnt, uns energiesparendes Licht auf dem finsteren Konsumpfad spendet, uns an der faltenfreien Hand nimmt, führt, erhellt und trotzdem nicht wirklich gescheiter macht. Wir bleiben an der Oberfläche informierte Halbwissende.
Sie zupft und schiebt, zieht, regt an und auf, stellt fordernd in Frage und lässt ungefragt trotzdem keine unbeantwortet. Sie macht schmunzeln, gebiert viel zitierte Klassiker, kann verdammt noch mal extrem ärgern, ist unbequem zynisch, offensichtlich unlogisch, aufgesetzt und an den Haaren herbeigezogen. Auch wenn, sie kann stimmig, schlüssig, relevant, überzeugend scheinen, vorbildlich auch. Sie zwingt zu neuen Positionen und zementiert festgemachte Meinungen. Sie lügt so oft, wie sie die Wahrheit sagt. Man kann ihr nicht trauen, die meisten tun’s aber trotzdem. Sie verführt auf unverschämt beschämende Weise und spielt unfaire Spiele, sie lässt einen nur scheinbar gewinnen, weil sie doch eigentlich immer gewinnt, sie ist unmoralisch und belehrend und weiss es am Schluss leider besser.
Soll man sich mit ihr beschäftigen oder sie wie eine lästig gewordene Affäre ohne Emotion loswerden? Ist Werbung Kunst? Scheint so ...!
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